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Auch Kartoffeln gibt es häufig – Beobachtungen von Imaan

Von Imaan Hussein

Ich bin ein Flüchtling aus Somalia und wohne in Ebersberg in einem Wohnheim, das einmal ein Gasthaus war. Ebersberg hat etwa 12000 Einwohner und im Mai 2014 sind etwa 200 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern angekommen. Die Flüchtlinge in Ebersberg werden inzwischen gut betreut, es gibt ca 60 bis 70 Betreuerinnen und Betreuer. Die Flüchtlinge können viele Angebote nutzen. Es gibt zum Beispiel Kochkurse, Sprachkurse, Fußball und Handball, Ausflüge und Integrationskurse.

Ich habe einen jungen Mann  aus  Gambia  und ein junge Frau aus Afghanistan befragt und wollte wissen, wie es den Flüchtlingen jetzt geht.

Der Mann aus  Gambia ist seit drei Jahren  in Deutschland. Er spricht sehr wenig Deutsch und hat seine Anhörung für sein Asylverfahren absichtlich verpasst.  Er ist sehr unglücklich und  befürchtet, abgeschoben zu werden.

Das Mädchen  aus  Afghanistan besucht die Berufsvorbereitungsschule, sie will Frisörin werden und  wohnt mit ihrem Mann zusammen . Wir haben beide Deutsch mit einander gesprochen. Sie wünscht sich Deutschland als ihre  neue Heimat, trotzdem hat sie oft noch Heimweh.

Ich wollte auch wissen,  wie Deutsche über Flüchtlinge denken und habe eine junge Frau und eine jungen Man befragt. Sie hat sich gefreut, dass viele schon so gut deutsch sprechen, ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen sind gut und sie finden diese freundlich und offen, Fremdenfeindlichkeit lehnen sie ab.

Ich habe einen weiteren jungen Deutschen nach seiner Einstellung zu Flüchtlingen gefragt. Auch er denkt positiv über diese. Er spricht, während seiner Fahrten zur Arbeit gerne mit ihnen. So hat er schon Menschen aus Somalia, Nigeria  und Syrien kennen gelernt und gefunden, dass Gespräche mit diesen sein Leben bereichern. Es tut ihm leid, dass viele Flüchtlinge ziemlich lange keine Gewissheit haben, ob sie bleiben dürfen, auch dass sie längere Zeit ohne Arbeit unter ungünstigen Umständen leben müssen. Ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlinge findet er sehr sinnvoll, ließ aber offen, ob er sie selbst auch leisten werde.

Ich habe in Somalia nicht an Deutschland gedacht, weil ich ursprünglich nach Schweden zu meinem Bruder wollte. Als ich mit dem Zug aus Italien in München ankam, wusste ich nicht, dass ich in Deutschland war. Ich war sehr überrascht: Das Camp, das ich erwartet hatte, war ein gemauertes Haus mit mehreren Stockwerken. Ich war erstaunt, dass der erste Deutsche, den ich traf, mir mit Geld geholfen hat. Ich hatte nämliche Angst vor ihm gehabt.

Am meisten hat mich überrascht, dass die europäischen Grenzen nicht von Militär überwacht werden. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Befremdlich war für mich die leichte Sommerbekleidung der Frauen. Weiter ist mir aufgefallen, dass hier viel Brot gegessen wird, auch Kartoffeln gibt es häufig. In Somalia werden Fladen zu jader Mahlzeit frisch gebacken.

Ich lebe gerne in Ebersberg, aber nicht so gerne in einer Gemeinschaftsunterkunft.

 

Von Ameen Nasir am 7. November 2016 um 10:17 Uhr