Farid

Es sind nicht alle Menschen gleich, es gibt auch Afghanen

Hallo, ich bin Fariddudin Khowhani, man nennt mich Farid. Ich bin 1993 in Afghanistan geboren, verbrachte dort meine Kindheit und Jugend. Nach meinem Abitur studierte ich 3 Semester Englische Literatur an der Universität Kunduz. Anschließend arbeitete ich als Englischlehrer in der Erwachsenenbildung und unterrichte auch junge Frauen, was in Afghanistan verboten ist. Im November musste ich meine Heimat verlassen, da mich die Taliban verfolgten.

Im Dezember 2015 erreichte ich nach 45 Tagen Flucht Deutschland. Für meine Flucht musste ich ca. 6.000 Dollar bezahlen. In Deutschland angekommen, wurde ich nach Moosburg in eine Flüchtlingsunterkunft gebracht. Im Juni 2016 bekam ich von der Arbeitsagentur in Freising das Angebot für einen 6-monatigen Kurs, indem man schnell Deutsch lernen kann und eine Ausbildung findet. Ich begann also diesen Kurs und lernte auch in meiner „neuen“ Unterkunft nächtelang, um schnell die deutsche Sprache zu sprechen und zu verstehen.

Meine Lehrer bestätigten mir, dass ich gute Fortschritte mache und sehr gut lerne. Im November begann ich dann ein 2-wöchiges Praktikum bei einer Speditionsfirma am Flughafen. Es war alles sehr interessant für mich und neu. Die Firma war mit mir zufrieden. Im Dezember hatte ich dann den Einstellungstest bei der Firma und schloss als Bester ab. Gleichzeitig machte ich die Prüfung für das B1-Zertifikat und bestand es auch. Man bot mir an, ab 9. Januar in der Firma zu arbeiten und ab 09/2017 eine Ausbildung zum Speditionskaufmann zu beginnen. Ich willigte ein und war ein sehr glücklicher Mensch! Ich hatte es geschafft – dachte ich.

Dann kam der Schock. Das Ausländeramt erklärte mir, dass es eine neue Anweisung vom Innenministerium gibt und dass ich keine Arbeitserlaubnis erhalte. Diese werde max. drei Monate vor Ausbildungsbeginn erstellt, wenn Aussicht auf Anerkennung in Deutschland besteht.

Oh je, jetzt ist es vorbei.

Aus der Traum von der Ausbildung. Ich bekam eine zweite Chance. Die Firma erstellte mir den Ausbildungsvertrag und schrieb das Datum 01.02.2016 ein, schickte alles zur IHK zum Genehmigen.

Heute ging ich nun, mit dem von der IHK genehmigten Vertrag, zum Ausländeramt im Landkreis Freising, um erneut eine Arbeitserlaubnis zu beantragen, da ja jedes Anliegen ein Einzelfall ist und einzeln bewertet wird. So wurde jedenfalls im offiziellen Rahmen argumentiert.

Zuerst wurde ich gebeten, meine Tazkira vorzulegen und evtl. einen Reisepass, da die Identität eindeutig geklärt sein müsse. Ich teilte der Bearbeiterin mit, dass meine Tazkira im Original dem BAMF vorliegt und schickte ihr eine Kopie per Mail. Ebenso ließ ich mir ein Foto meines Reisepasses von meinem Bruder schicken. Dann wurde mein Anliegen zur Chefsache.

Der Leiter des Ausländeramtes empfing mich jedoch mit einer klaren Botschaft! „Nein!“ – da ich jung, männlich, allein stehend und aus Afghanistan bin. Meine Bleibeperspektive sei sehr gering, wegen eben genannter Gründe und deshalb erhalte ich keine Arbeitserlaubnis. Es wurde weder meine Akte angeschaut, noch wurde durch Fragen ein Sachverhalt geklärt. Es kam einfach ein „Nein!“. Ich hatte eine Betreuerin dabei und auch sie war entsetzt über die Vorgehensweise! Eine intensive Diskussion brachte auch keine Veränderung der Situation und mein Unmut wuchs. Wo war die Einzelfallbetrachtung?

Viele Fragen schwirren durch meinen Kopf!

Für was habe ich mich angestrengt? Für was habe ich Deutsch gelernt? Wieso habe ich diesen Kurs gemacht? Ich dachte: „Alle Menschen sind gleich!“ Warum bin ich in Afghanistan geboren? Was kann ich dafür, dass ich in Afghanistan geboren bin?

Verwirrung macht sich in mir breit! Ich hoffe, dass das BAMF meinen Asylantrag gewissenhaft entscheidet und ich doch noch meine Ausbildung hier beginnen kann! Drückt mir die Daumen!

 

Von Ameen Nasir am 27. Januar 2017 um 3:15 Uhr