Demos in Würzburg, Bild: BR - Wolfram Hanke

„Hello, I’m Ameen – are you afraid of me?“

 

„Hier in Deutschland ist kein Platz!“

Dieser Satz verfolgt mich jetzt. Ich lese diese Wörter in den Augen mancher Deutscher, denen ich in der U- Bahn oder an öffentlichen Plätzen begegne. Aber ich beschimpfe doch  weder Frauen, noch starre ich sie seltsam an. Aber ich sehe nun mal aus, wie ich aussehe: Wie jemand, der irgendwo aus dem Mittleren Osten herkommt.

Nach den sexuellen Übergriffen in Köln gucken mich einige Menschen anders an. Sie glotzen durch meine braune Haut hindurch und ich spüre geradezu, dass sie mir etwas sagen wollen, dass sich irgendetwas in ihren Köpfen abspielt.

Ich habe meinen Freund Ahmad gefragt, was er über die Ausschreitungen in Köln denkt. Er antwortete: „In meinem ersten Jahr hier in Deutschland habe ich viel Hilfe bekommen. Vor allem von Frauen. Als ich den Antrag auf Asyl ausfüllen musste, hat mir eine sehr liebe Polizistin geholfen. Sie sagte zu mir: „Du bist hier in Deutschland willkommen“. Ich war damals so glücklich, nur über diesen einen Satz! Als ich in der Asylunterkunft krank wurde, war es eine Frau, die mich ins Auto gepackt und zum Arzt gefahren hat. Das hätte sonst nur meine Mutter für mich getan. Und meine Deutschlehrerin, die diese Arbeit unentgeltlich macht, ist für mich wie eine Schwester. Alle Frauen, denen ich hier begegnet bin, sind wie meine Mutter oder meine Schwestern. Ich muss sie beschützen und nicht verletzen.“

Mein anderer Freund Samir sagte zu mir: „Was da in Köln passiert ist, ist ein Verbrechen und die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden – egal welcher Nationalität sie angehören. Ich hoffe so sehr, dass die Deutschen verstehen, dass wir anders sind….nicht alle von uns sind nur Engel oder nur Gutmenschen, aber schon gar nicht sind wir alle Täter oder böse.“

„Wir in Deutschland müssen aufwachen“

Das Schlimme ist,  dass nun die Täter von Köln instrumentalisiert werden, um gegen Flüchtlinge oder Migranten zu hetzen. Das passiert leider nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen westlichen Welt. An Weihnachten habe ich in der arabischen Huffington Post gelesen, dass der tschechische Ministerpräsident die syrischen Flüchtlinge für eine „organisierte religiöse Invasion“ hält. Wenn ich so etwas lese, bekomme ich Angst. Ich bin hier, weil ich vor politischen und religiösen Konflikten im Mittleren Osten geflohen bin. Ich will nicht hier schon wieder in Konflikte geraten, nur weil einige Rassisten hier mittelalterliche Vorstellungen haben. Und am allerschlimmsten finde ich, wenn die Parolen dieser Rechten einen Teil  der Gesellschaft beeinflussen. Mich erschrecken Aussagen vom amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump,  in denen er fordert muslimische Flüchtlinge aus den USA auszuweisen oder ihnen den Zutritt ins Land und in die Gesellschaft ganz zu verbieten. Es gibt viele Amerikaner, die  ihren Hass gegen die muslimische Minderheit offen artikulieren.

Und schon vor Köln hat Pegida tausende Deutsche gegen Flüchtlinge oder „das Fremde“ mobilisiert. Die Pegidisten schreien: „Geht dahin, wo Ihr hergekommen seid! Geht dahin, wo es kein demokratisches System gibt und geht dahin zurück,  wo Menschen geköpft werden. Unser Land soll nicht von Euch vergiftet werden!” Scheinbar wollen sie westliche Werte und europäische Prinzipien verteidigen, aber in Wirklichkeit zerstören sie diese. Damit wird offensichtlich, auf welch wackligen Füßen diese Werte stehen. Es wird nun ziemlich klar, wie viele Menschen diese Prinzipien eigentlich ablehnen.

Es ist nun sehr wichtig, dass wir in Deutschland endlich aufwachen.

Wir müssen die sexuelle Gewalt, die in Köln stattgefunden hat, verurteilen. Die Politik und auch die Justiz müssen diese Täter bestrafen, aber wir dürfen eines nicht vergessen: Nämlich das, was Europa so einzigartig macht – Toleranz und Frieden.

 

Ameen Nasir beim Moderieren von Messages of Refugees
Ameen Nasir beim Moderieren von Messages of Refugees

 

“No place for you in Germany „

This phrase is now haunting me. I read these words in the eyes of „some“ Germans,  who I meet at the train station or in public  places.  I do not assault women  or  bother  them with my looks. But my outlook (features) seems easterly. After the sexual harassment in Köln some people look through my brown skin on me,  as if  they would like to say something, as if they are imagining something inside….
I asked my friend Ahmad:
“What Do you think about the unfortunate events in Köln?”
He said to me: “I have spent my first year in Germany and I received  help from german Women. When I went to apply for asylum in Munich, there was a very kind woman in  the police Station, who said: “You are  welcome  in Germany!” I have been so happy because of her words. When I  got sick at the Refugee Camp a german lady took me in her car to the doctor, just like my mother had done that for me.
My german language teacher is very kind and she works as a volunteer .. she is like my sister. All women  here are like mothers or sisters for me ,  I  must protect them not bother them .

Another friend, Samir, I asked , said to me:
„What happened in Köln is a crime and the perpetrators must be punished, whatever their nationality is… I hope  the Germans  understand  that we are different … not all of us are good and angeles , not all of us are bad and aggressors.“

The terrible today is when the racists abuse what happened in Köln to agitate against refugees and foreigners. Not only in Germany but in the whole Western world.
On Christmas I read in the Arabic  Huffington Post,  that the Cech president describes the Syrian refugees as an organized religious invasion. I was scared of his words … I am the person, who escaped from the political and religious conflicts in the Middle East , I do not want to be part of new conflicts here in the west, just because some political racists still think like in the Middle Ages. The most terrifying thing for me is when  this speech will be heard from an audience and will convince  some people. As the statements of the US presidential candidate Donald Trump , who demands the expulsion of muslims out of America, and wants to prevent  muslims to enter. And around  Trump there is a big  number of  Americans, who express their hate against the muslim culture.

As before Donald Trump and Köln,  the Pegida  movement organized demonstrations with  thousands of Germans, gathering the hate against Refugees  and foreigners, especially those who came  from the Middle East. Pegida members yell: “Go back to the middle East where the dictatorship leads and where extremists cut heads.
We do not want you to contaminate  our country!”

It looks like if they would  defense the values and ethical principles of  Europe, but at the same time they blow up all these values. The decay of  humanitarian principles support in the Western world  become clear, and the increasing of numbers who refuse and deny  these principles become very clear. It is very important,  that we wake up in Germany!

We must  fight against the sexual abuse in Köln and demand  the police and politicians to punish the involved ones, but we should not forget what makes Europe so unique to other places, which is peace and tolerance.

Von Ameen Nasir am 15. Januar 2016 um 2:30 Uhr