ARCHIV - Eine Frau hält am 01.09.2015 in Hamburg vor der Zufahrt zur Flüchtlingsunterkunft in der Schackenburgallee ein Plakat mit der Aufschrift «wir kamen zu Studium und Arbeit, nicht zum Essen und schlafen» in die Höhe. Foto: Axel Heimken/dpa (zu dpa «Flüchtlinge finden ohne Hilfestellung nur schwer Arbeit» vom 01.09.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Mohamed Alkhalaf: Was ich geschafft habe

Die Deutschen haben mir die Hoffnung gegeben, dass ich mir hier mit viel harter Arbeit ein Leben aufbauen kann. Ein Leben, dass ich in Syrien verloren habe. Dafür musste ich eine gefährliche Reise machen, aber ich habe überlebt. Nach einigen Zwischenstopps bin ich vor einem Jahr in der Turnhalle des Kirchseeoner Gymnasiums gelandet. Dort habe ich schnell viele nette Leute kennengelernt. Schüler des Gymnasiums und Leute vom Helferkreis. Ich habe Ihnen meine Geschichte von der Flucht erzählt und Fotos vom Krieg gezeigt. Die Fotos habe ich selber gemacht. Einen Großteil der Fotos musste ich zurücklassen, damit sie der IS nicht bei mir findet. Ich konnte kein Wort Deutsch, also habe ich mich mit Händen und Füßen ausgedrückt – und mit Sport. Mit der Sprache des Sports habe ich meine ersten Schritte zur Integration gemacht.

Ich habe mit den Einheimischen Tischtennis gespielt und Fußball. Mit Marcel bin ich gejoggt. Ich habe mit ihm am Schweiger Forstlauf teilgenommen und habe den ersten Platz unter den Ebersberger Teilnehmern erreicht. Das war letztes Jahr im Oktober. In Syrien habe ich einige Jahre kein Sport gemacht. Meine Gedanken drehten sich nur darum, genug zu essen zu bekommen und meine gefährliche Arbeit als Journalist in Raqqa – einer IS Hochburg- zu erledigen. Nun lebe ich schon ein Jahr in Deutschland hier bin ich in Sicherheit und habe genug zu essen. Meine Kollegen sind teilweise noch in Syrien und leben dort sehr gefährlich. Sabine vom Helferkreis ist Opernsängerin im Orchester des Bayerischen Rundfunks. Sie hat mich oft zu Konzerten und Proben mitgenommen. In verschiedene Konzertsäle, in Kirchen und auf dem Odeonsplatz. Ich hatte sogar die Gelegenheit den Pianisten Lang Lang zu treffen und ihm Fragen zu stellen.
Ich interessiere mich für das deutsche Recht und die Demokratie

Jetzt wohne ich in einer kleinen Einliegerwohnung bei einem älteren Ehepaar in Kirchseeon. Wir helfen uns gegenseitig und ich lerne viel über die deutschen Gewohnheiten. Rasenmähen, Mülltrennung und den Umgang mit Haustieren. Meine Vermieter haben einen Hund, den ich inzwischen sehr lieb gewonnen habe. Hunde als Haustiere kennen wir in Syrien nicht.

Ich möchte die deutsche beziehungsweise bayerische Kultur gut kennen lernen. Oft lade ich Leute zum Essen ein oder wir kochen zusammen. Bei mir wird Arabisch gekocht. Bei den Einheimischen esse ich bayrisch. Auch die bayerische Tracht fasziniert mich. Hier in Bayern hat mein Leben nun eine gewisse Regelmäßigkeit. Von Montag bis Freitag gehe ich in die Schule um Deutsch zu lernen. Am Wochenende treibe ich Sport und treffe mich mit Freunden. Ich möchte auch hier wieder als Journalist arbeiten und eine Familie haben – und ich bin optimistisch, dass ich das schaffen kann.

Von Messages of Refugees am 2. September 2016 um 10:33 Uhr